27. Jan 2021
19:00 - 21:00


Radikale Menschenrechte!? Wolf-Dieter Narrs materialistisches Konzept der Menschenrechte heute


Mit Beiträgen von Lars Bretthauer, Yvonne Franke, Fabian Georgi und Guillermo Ruiz

In linken Kreisen werden Menschenrechte oft als wenig radikales Konzept angesehen: zu zahm und staatsnah, zu bürgerlich und reformistisch, zu sehr verstrickt in die Geschichte kapitalistischer, patriarchaler und kolonialer Herrschaftsverhältnisse. Schon 1951 stellte Hannah Arendt fest: »Die Menschenrechte haben immer das Unglück gehabt, von politisch bedeutungslosen Individuen oder Vereinen repräsentiert zu werden, deren sentimental humanitäre Sprache sich oft nur um ein geringes von den Broschüren der Tierschutzvereine unterschied.«

Solcher Skepsis steht ein kritischer und materialistischer Begriff von Menschenrechten gegenüber, der seit den 1980er Jahren im Umfeld des Komitees für Grundrechte und Demokratie von Wolf-Dieter Narr und vielen Mitstreiter*innen entwickelt wurde. Sie verstehen Menschenrechte als die begriffliche Fassung menschlicher Bedürfnisse, welche in der Menschheitsgeschichte historisch immer wieder neu, anders und konkret in Protesten, Aufständen und sozialen Kämpfen formuliert, aber auch in Kunst und Kultur artikuliert werden. Materialistisch ist dieses Konzept nicht nur, weil es die Menschenrechte in historisch-konkreten Bedürfnissen und Kämpfen verankert. Zugleich fordert es, überhaupt die materiellen Bedingungen herzustellen, in denen sich menschliche Bedürfnisse tatsächlich realisieren ließen. Menschenrechte ernst nehmen heißt dann, radikal eine Politik zu verfolgen, die politische, soziale und ökonomische Ordnungen so transformiert, dass sie den Bedürfnissen der Menschen genügen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen zwei Fragen: Was genau verstanden Wolf-Dieter Narr und seine Mitstreiter*innen unter Menschenrechten und wie begründeten sie ihr radikales Verständnis? Und (wie) kann ein solch radikaler Menschenrechtsbegriff heute – trotz weit verbreiteter Skepsis und überaus berechtigter Kritik – als zentrales politisches Konzept emanzipatorischer Politik dienen? Die Veranstaltung öffnet, ausgehend von mehreren kurzen Beiträgen, einen Raum für Austausch und Diskussion.

 

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