27. Sept. 2025
10:00 - 18:30
Alte Feuerwache Köln, Großes Forum
Melchiorstraße 3 | 50670 Köln

Ratschlag: Welche Demokratie? Autoritärer Umbau, Abwehrkämpfe und emanzipatorische Visionen


Spätestens seit den Massenprotesten zum Jahresbeginn 2024, als knapp 2 Millionen Menschen gegen die Deportationspläne von AfD und Co. demonstrierten, wird fast ständig davon gesprochen, dass “unsere Demokratie“ verteidigt werden müsse. 

Doch welche Demokratie ist hier gemeint?

Grund- und Menschenrechtsorganisationen, soziale Bewegungen und kritische Wissenschaftler*innen dokumentieren und kritisieren seit vielen Jahren den Umbau von Demokratie zu postdemokratischen, illiberalen oder autoritären Formen: von der faktischen Abschaffung des Asylrechts über die tendenzielle Vollüberwachung digitaler Kommunikation und öffentlicher Räume bis zu repressiven Polizeigesetzen und Einschränkungen der Versammlungsfreiheit.

In aktuellen Debatten wird allzu oft vergessen oder ignoriert, dass die real-existierende Demokratie, welche so nachdrücklich verteidigt wird, bereits heute massiv untergraben ist. Für marginalisierte Gruppen, darunter Betroffene von Rassismus und Polizeigewalt, Asylsuchende und Illegalisierte, Gefangene und Psychiatrie-Insass*innen, Obdachlose und Sozialleistungsbeziehende, ist Demokratie bereits jetzt allzu oft ein weitgehend leeres, beinahe höhnisches Versprechen.

Mehr noch: Eine radikaldemokratische Kritik an autoritären Tendenzen, wie sie das Grundrechtedemokratie seit 45 Jahren betreibt, zeigt auf, dass auch das heute so einhellig gelobte Grundgesetz die Demokratie in Deutschland strukturell begrenzt. Emanzipatorische Visionen von Demokratie wiesen schon immer darüber hinaus.

Am 27. September bieten wir Ihnen und Euch einen Raum, zusammen zu diskutieren: In was für einer Demokratie wollen wir leben? Was ist das, was wir aktuell erleben und welche Worte sind dem angemessen? Und was ist das für eine Gleichzeitigkeit, in der sich viele Menschen (noch) recht zufrieden in einer Demokratie wähnen können, während zugleich andere durch Ausschluss und Verfolgung längst die Faschisierung am eigenen Leib erfahren?

Wie sehen dagegen progressive Visionen von Demokratie und Mitbestimmung aus? Was ist „radikale Demokratie“ oder „abolitionistische Demokratie“ und wie kämen wir dahin? Wo wird Demokratisierung erkämpft und von wem? Welche Beispiele für ein besseres Morgen gibt es schon heute?
 

Die Plätze für das Wochenende sind aufgrund der räumlichen Gegebenheiten auf 80-100 Plätze begrenzt.
Wir bitten daher um eine rechtzeitige Anmeldung in diesem Formular, die Anmeldung für alle drei Tage einzeln ist erforderlich.
 


PROGRAMM am Samstag, 27.9.2025


10:00 – Ankommen, Begrüßung und Organisatorisches
Einführung in den Tag, Vorstellung des Ablaufs und erste Orientierung.

10:15 – 11:00 Keynote: Vom Mythos der deutschen Demokratie - Achan Malonda

Wo stehen wir gerade? Ein analytischer Einstieg zur Verortung des Zustands der deutschen Demokratie, sowie autoritärer und faschistischer Tendenzen.


11:00 – 12:30 Parallele Workshops – Grundlegende Kritik an liberalen Demokratievorstellungen: 

1 Grenzen der Zugehörigkeit: Staatsbürgerschaft & Grenzregime – Mihir Nayak und Elizaveta Khan von der Initiative Pass(t) uns allen

In dem Workshop werden Ausschlüsse im Aufenthalts- und Wahlrecht sowie hierarchisierte Zugänge zu gesellschaftlicher Teilhabe analysiert. Antirassistische Perspektiven auf Grenzregime und Kämpfe um Teilhabe stehen dabei im Fokus und gemeinsam wird sich der Frage angenähert, wie eine grenzenlose Welt, außerhalb von Nationen, aussehen kann.

2 Ökonomie, Demokratie und Ausschluss – Jonna Klick 

Diskutiert wird die fehlende demokratische Mitgestaltung ökonomischer Verhältnisse, welche soziale Ungleichheit verfestigt. Darüber hinaus wird es darum gehen, wie kapitalistische Strukturen Teilhabe beschränken und Demokratie dadurch fundamental begrenzt bleibt.

3 Mehr als Wahlen, mehr als Staatsform: Liberalismus, Parlamentarismus und seine Grenzen – Michèle Winkler (Grundrechtekomitee) & Daniel Loick

Analyse und Kritik eines Demokratieverständnisses, das auf Wahlen und Mehrheitsentscheidungen reduziert ist und Demokratie nur als Staatsform begreift. Im Zentrum stehen staatskritische und anarchistische Perspektiven, die über den engen Rahmen repräsentativer Demokratie hinausweisen.

 

12:30 – 13:30 Mittagspause
 

13:30 – 17:30 Impulse & Gespräch 1: Konkret-utopische Ansätze 

Wo wird Demokratisierung erkämpft und von wem? Welche Beispiele für ein besseres Morgen gibt es schon heute?

Abolitionistische Demokratie – Daniel Loick

Radikale Demokratie – Christian Leonhardt

14:30 – 14:50 Pause


14:50 – 16:20 Impulse & Gespräch 2: Konkret-utopische Ansätze

Wo wird Demokratisierung erkämpft und von wem? Welche Beispiele für ein besseres Morgen gibt es schon heute?

Commonisierung – Jonna Klick

Demokratische Wirtschaftsplanung - N.N.

Kommunalismus – Netzwerk für Kommunalismus

16:20 – 16:40 Pause


16:40 – 17:30 Konkret-utopische Ansätze und Praxen  – Gemeinsame Diskussion
Zusammenführung & gemeinsame Diskussion der Impulse: Wo ergänzen sich Ansätze, wo liegen Widersprüche? Welche Fragen ergeben sich für uns?

17:45 – 18:25 Abschlussdiskussion: (Neue) Demokratie gesucht (FishBowl)

18:25 – 18:30 Abschluss & Ausblick


Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen organisiert und von der Sebastian Cobler Stiftung und Movement Hub unterstützt.

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