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Israelisch-palästinensische Begegnung 2014

Dialog statt Krieg

27 Israelis und 27 Palästinenser leben seit einer Woche in der Jugendakademie Walberberg nahe Köln unter einem Dach. Zwei israelische Teilnehmer mussten kurzfristig absagen, da sie zum Reservedienst in der Armee eingezogen wurden. Alle anderen Teilnehmer entschieden mutig, in Deutschland ihre vermeintlichen Feinde zu treffen—trotz des Krieges.

Im Anhang ist ein pd-Dokument mit Fotos.

Das erste Aufeinandertreffen verlief trotz der angespannten Situation im Nahen Osten ruhig, in ihrer Freizeit verhalten sich beide Gruppen allerdings distanziert und reserviert. Erstaunlicherweise saßen aber bereits am ersten Morgen einige Israelis und Palästinenser gemeinsam am Frühstückstisch.

Wie widersprüchlich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit diesem Konflikt leben und trotzdem aufeinander zugehen, zeigen die einzelnen Geschichten:

• Ein Israeli war bis vor wenigen Tagen als Reservist bei der israelischen Armee im Gazastreifen an Gefechten beteiligt. Jetzt lernt er Palästinenser von Angesicht zu Angesicht kennen. Einerseits rechtfertigt er den Einsatz der israelischen Armee als notwendige Maßnahme, äußert aber auch Anerkennung für das Vorgehen der Hamas, die seiner Meinung nach mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln völlig nachvollziehbar agiert.

• In den ersten Dialogrunden mit den Moderatoren aus Israel und Palästina weigerten sich einige palästinensische Teilnehmer an Kennenlernübungen teilzunehmen. Gemeinsames Spielen fänden sie unangemessen, wenn zeitgleich in Gaza Menschen sterben.

In den ersten Tagen sollen die Teilnehmer einander kennen lernen und sich ihre persönlichen Geschichten erzählen. Diese sind—da alle Palästinenser aus der Westbank kommen—stark durch deren Leben unter israelischer Besatzung geprägt.

• Eine Palästinenserin aus Bethlehem wurde im Alter von vier Jahren mit dem Anblick ihres getöteten Cousins konfrontiert, dessen grausame Kopfverletzungen sie bis heute verfolgen.

• Ein palästinensischer Teilnehmer erzählt, dass er drei Jahre in israelischer Haft verbracht hat. Sein Vater sei ein Märtyrer, vom israelischen Militär umgebracht worden, als er selber fünf Jahre alt war. Während der Freizeit sieht man ihn oft im Gespräch mit einzelnen Israelis.
• Ein israelischer Teilnehmer sorgt sich um seinen Bruder, der als Reservist der Armee in Gaza kämpft. Gleichzeitig erzählt er, wie sehr er für seine kritische Haltung zu diesem Krieg angefeindet und in Israel regelrecht bedroht wird.

• Eine junge Israelin stimmt ihm zu. Sie wünscht sich, dass die Palästinenser verstehen, wie sehr die Besatzung auch die israelische Bevölkerung beeinflusst, gewalttätiger und korrupter macht. Sie beschreibt gleichzeitig aber auch, wie stark der Beschuss durch die Hamas und die Sorge um die israelischen Soldaten die Menschen in Israel emotional trifft.

Gerade in diesem Jahr wird deutlich, wie ausweglos den jungen Menschen die Situation erscheint, in der sie leben. Umso wichtiger ist es gerade jetzt, ihnen dabei zu helfen, über Perspektiven und Lösungen nachdenken zu können.

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PDF icon Erster_Bericht_Walberberg.pdf1.43 MB