Am 24. Dezember 2025, kurz vor seinem Geburtstag – er wäre 68 geworden – ist Theo Christiansen nach sehr kurzer Krankheit gestorben. Er fehlt schon jetzt und wird vielen Menschen noch lange fehlen – seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern an erster Stelle. Aber auch die vielen Gruppen und Organisationen, in denen er mit Klugheit, Engagement und immer den konkreten Menschen zugewandt mitgearbeitet hat, werden ihn vermissen.
Geboren 1957, politisierte sich Theo in den frühen 1970er Jahren. Mit Ende der 1960er Jahre begann ein studentisch geprägter Aufbruch aus der Enge und dem Konformitätsdruck der Nachkriegszeit. Freiheitliche und emanzipatorische Impulse und Bewegungen entstanden und ermöglichten gesellschaftliche Veränderungen.
Als Erwachsener war Theo in verschiedenen, die Zeit prägenden, sozialen Bewegungen aktiv: Anti-AKW-Bewegung, Anti-Apartheid-Bewegung und besonders die Friedensbewegung sind hier zu nennen.
Nach einigen Jahren als Mitarbeiter von Dorothee Sölle hat Theo von 1988 bis 2018 in Leitungsfunktionen von Kirche und Diakonie in Hamburg gearbeitet. Anschließend war er Mitarbeiter der Behrens-Stiftung, die Wohnraum für auf dem Wohnungsmarkt Benachteiligte, insbesondere wohnungslose Menschen, schafft.
Zum Komitee für Grundrechte und Demokratie kam Theo im Oktober 1996 über den Arbeitsausschuss. Im November 2000 wurde er Mitglied im Vorstand und übernahm im Dezember 2001 mit Volker Böge den geschäftsführenden Vorstand. Auf Volker, der nach Australien auswanderte, folgte ab Dezember 2005 Heiner Busch. Theo blieb im Geschäftsführenden Vorstand bis November 2019. Allein diese Zeitspanne macht deutlich, wie verlässlich Theo war. Er übernahm das „Amt“, als das Grundrechtekomitee in einem Umbruch war. Erneuerung und Verjüngung standen an. Ein Aufbruch in Verbundenheit mit denen, die das Grundrechtekomitee aufgebaut haben, war gewollt und wurde mit Theo möglich. Es war kein Bruch. Theo suchte und hielt immer auch die Kontakte zu den Gründer:innen, hatte zu Wolf-Dieter Narr ein freundschaftliches Verhältnis.
Theo ging es nie darum, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, nicht darum, öffentlich wahrgenommen zu werden. Er war wie kaum ein anderer strikt an der Sache orientiert, schaffte Möglichkeiten, für die notwendigen Kämpfe für Grund- und Menschenrechte, ließ anderen die Räume und ermöglichte deren Kämpfe. Dabei war er offen für die Überlegungen anderer und zugleich strikt an den Menschen und ihren Rechten orientiert, ausgestattet mit einem klaren Kompass.
In der Sache, an den vielen Themen des Grundrechtekomitees, war er persönlich engagiert, sein analytischer Blick auf die Themen wie auch auf die gesellschaftlichen Verhältnisse war immer hilfreich und Grundlage für Planungen. Ihn prägte ein strikter Pazifismus, den er nicht zuletzt mit Wolf-Dieter Narr teilte. (siehe auch: https://linksabbieger.net/2015/01/20/pazifismus/) Schon in seinen Studienzeiten war er aktiv im Koordinierungsausschuss zur Vorbereitung der Bonner Friedensdemos gegen den NATO-Nachrüstungsbeschluss.
Besonders sein Engagement für die Rechte geflüchteter Menschen und sein Eintreten für das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit sind aus den vielen Themenfeldern hervorzuheben. Es waren Themen, die ihn mehr oder weniger ein Leben lang begleiteten, für die er sich auch in Hamburg in diversen Zusammenhängen engagierte. An den Demonstrationsbeobachtungen des Grundrechtekomitees hat er häufig teilgenommen, angefangen bei denen im Wendland gegen die Castortransporte. Auch hier gibt es eine lange Kontinuität, da er schon früh gegen die Nutzung der Atomenergie aktiv geworden war.
In Hamburg war er ganz maßgeblich in der Initiative zur Rekommunalisierung öffentlicher Infrastruktur aktiv. Die Initiative um den BUND, die Verbraucherzentrale und den Kirchenkreis Hamburg-Ost unterstützte Theo aus seiner beruflichen Tätigkeit im Kirchenkreis. Im August 2023 blickte er nach 10 Jahren kritisch zurück auf Erfolg und Scheitern der Rekommunalisierung der Energienetze – seine Sache war es nicht, unkritisch den Erfolg zu feiern. Und damit sei auch auf seinen Blog „Linksabbieger“ hingewiesen, den er seit ungefähr 2020 mit seinem Freund Ulrich Hentschel betrieb.
Rückblickend fällt noch einmal auf, wie viele Projekte und Initiativen Theo begleitet hat, wie sehr er sich immer wieder eingesetzt hat und seinen Überzeugungen gefolgt ist. Dabei war sein Auftreten von großer Ruhe geprägt, machte er bei all dem Engagement nicht den Eindruck, gehetzt zu sein. Er konnte Schwerpunkte setzen und ließ sich mit viel Geduld auf die Menschen ein, moderierte so, dass Konfliktlösungen und Kompromisse möglich wurden. Er brachte Ruhe und Sicherheit in die Bündnisse, unprätentiös und mit viel Verlässlichkeit.
Er wird uns fehlen!
Stephan Nagel, Helmut Pollähne, Elke Steven (für das Komitee für Grundrechte und Demokratie)
Wir wollen auch auf den liebevollen und umfangreichen Nachruf für Theo von Dirk Seifert auf UmweltFAIRaendern.de hinweisen.
Und im beiligenden Pdf findet sich eine Einsendung von Martin Singe aus dessen Archiv: Ein Artikel aus dem Jahr 2021, in dem Theo und sein Freund Uli Hentschel nach 40 Jahren auf die große Hamburger Kirchentagsdemo 1981 zurückblicken. Beide hatten diese Demonstration, die zum Auftakt der ganz großen Friedensbewegung der 80er wurde, mitorganisiert - Theo war der Anmelder.