
Melchiorstraße 3 | 50670 Köln
(Un-)demokratische Gefühle? Die Rolle von Affekten und Emotionen im aufkommenden Faschismus
Sevda Can Arslan im Gespräch mit dem Autor und Forscher Simon Strick
Seit Jahren beobachten wir den schleichenden Abbau demokratischer Rechte und menschenenrechtlicher Errungenschaften. Sie weichen vielerorts einem fortschreitenden Autoritarismus und einer zunehmenden Faschisierung. Die Wahlerfolge und Umfragehochs der AfD und die menschenfeindliche national-autoritäre Politik der aktuellen schwarz-roten Koalition unter Friedrich Merz rauben auch hierzulande den Atem, während der Trumpismus und der Tech-Faschismus der USA weltweit Auswirkungen zeigen.
Diese Rechtsverschiebung äußert sich nicht nur in immer neuen Gesetzesinitiativen, die Grund- und Menschenrechte auf vielerlei Ebenen abbauen, sondern auch in einer zunehmenden Brutalisierung, die von direkter staatlicher Gewalt über politische (Straßen-)Gewalt bis hin zu rechtem Terror reicht. Es gibt vielerlei Versuche, um diese Entwicklungen zu verstehen, sie zu kontern und ihnen möglichst wirksame Strategien entgegensetzen zu können.
Am Vorabend unseres Ratschlags "Welche Demokratie? Autoritärer Umbau, Abwehrkämpfe und emanzipatorische Visionen" werden wir uns einer ganz spezifischen Herangehensweise zuwenden, die oft recht wenig Aufmerksamkeit erfährt.
Wir wollen uns an diesem Abend dem aufkommenden Faschismus mit unserem Gast Simon Strick auf der Gefühls- und Affektebene nähern: Wir werden von der Allgegenwart rechter Inhalte und affektiver Strategien in Sozialen Medien und Onlineforen erfahren, über das Aufrufen "rechter" Gefühle, und über die Offenheit der selbst erklärten demokratischen Mitte für rechte Anliegen und Affektstrategien. Simon Strick fordert auf, diese wahrzunehmen und die ›emotionale Anziehung‹ der (heutigen) Rechten ernst zu nehmen.
Das Verständnis der Wirkungsweise rechter Gefühlswelten führt uns schließlich zur Frage nach möglichen Gegenstrategien: Was tun wir, wenn ehemals erfolgreiche antifaschistische Praxen keine Wirksamkeit mehr entfalten? Haben auch Werte wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität eine Gefühlsebene? Wie und wo lassen sie sich herauskitzeln und ansprechen? Gibt es gar "demokratische" Gefühle?
Laut Simon Strick ist Distanzierung „kein Mittel gegen diese rechte Gefühlsrevolution. Auf Rechte Gefühle muss kollektiv und affektiv geantwortet werden".
Wir wollen darüber ins Gespräch kommen, wie solch kollektive und affektive Antworten aussehen könnten.
ACHTUNG: Die Plätze für das Wochenende sind aufgrund der räumlichen Gegebenheiten auf 80-100 Plätze begrenzt. Wir bitten daher um eine rechtzeitige Anmeldung in diesem Formular.
Simon Strick ist Verfasser der Buches "Rechte Gefühle. Affekte und Strategien des digitalen Faschismus" (2021). Seine Forschungsschwerpunkte sind Gender- und Critical Race Studies, Populärkulturen, Affektstudien sowie Medien- und Kulturanalyse. Zudem arbeitet er als Dramaturg und gründete 2009 mit Susann Neuenfeldt und Werner Türk die Performancegruppe Panzerkreuzer Rotkäppchen (PKRK).
Sevda Can Arslan wird durch den Abend führen. Sie ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin und Moderatorin. Sie ist lehrt und forscht aus machtkritischer Perspektive u. a. zum Thema Polizeigewalt und Medien an der Universität Paderborn und ist aktiv in der Initiative 2. Mai. Zudem ist sie eng mit der Arbeit des Grundrechtekomitees verbunden.
Unterstützt das Grundrechtekomitee!
Interessiert an unserer Arbeit?
E-Mail-Newsletter abonnieren
Rundbrief bestellen
Folgen Sie uns auf Social Media!
Das Grundrechtekomitee ist für seine radikaldemokratische Arbeit auf Ihre Spenden angewiesen.